Ausrüstung („gear“)

Ich werde in letzter Zeit immer öfter gefragt „Mit welcher Kamera hast Du die Bilder gemacht?“ oder „Was empfiehlst Du mir für eine Kamera?“

Die erste Frage wäre leicht zu beantworten, dies brächte aber nicht viel, da die meisten der von mir verwendeten Kameras gar nicht mehr im Handel sind. Die zweite Frage ist hochkomplex und damit nur sehr individuell zu beantworten.

Einige Anmerkungen zu meiner „Kamera-Historie“: Begonnen habe ich im Alter von 16 Jahren mit einer Zweiäugigen-Spiegelreflex (Rolleiflex 3,5, Baujahr 1952) der Firma Franke & Heidecke. Die verwendeten Rollfilme wurden im Fotolabor unseres Chemielehrers selbst entwickelt und anschließend auf Baryt-Papier vergrößert. Der intensive Kontakt (selbstverständlich wurden nie Handschuhe verwendet, auch eine Entlüftungsanlage war damals nicht Stand der Technik) zu den dabei verwendeten, teils hochgiftigen Chemikalien führte zu deutlich sichtbaren Veränderungen der getragenen Kleidung, aber bislang nicht zu merkbaren gesundheitlichen Folgeschäden. Technische Defekte dieser Kamera sind während der gesamten Nutzungszeit nie aufgetreten. Die Ausrüstung wurde später ergänzt durch neuere Modelle (Rolleiflex 2,8 F bzw. Tele-Rolleiflex). Erst nach 1975 kamen auch diverse analoge Kleinbildkameras zum Einsatz. 1987 habe ich erstmals eine Stereokamera des Herstellers Franke & Heidecke in Braunschweig (Modell Heidoscop 6 x 13, Baujahr ca. 1927 bis 1931) mit Rollfilmansatz als Sammelobjekt erstanden.

Nachdem ich damit einige Aufnahmen gemacht habe, war ich von den Resultaten so begeistert, dass ich über 20 Jahre lang fast ausschließlich Stereoaufnahmen gemacht und auch ein weiteres Modell (Rolleidoscop 6×13) dieses Herstellers (Werbeprospekt Heidoscop/Rolleidoscop) sowie einige zum Betrachten notwendigen Stereoskope erworben habe.

Rolleidoscop 6×13, Stereokamera für Rollfilm 120, hergestellt von der Firma Franke & Heidecke in Braunschweig, 4. Modell (PR 018) Produktionsnummer 93620, Sucher Triplett 1:4,2; 7,5 cm Carl Zeiss Jena Nr. 1245822 (Aufsteckdurchmesser 27 mm) sowie 2 x Aufnahmeobjektiv Carl Zeiss Jena Tessar 1:4,5; 7,5 cm Nrs. 1216601/1216602 (Aufsteckdurchmesser 28,5 mm). Baujahr 1931 bis 1940.
Stereohandbetrachter im Format 6×13, hergestellt 1929 von der Firma Gaumont in Paris, verstellbarer Augenabstand mittels Drehrad (oben rechts), Schärfeeinstellung ebenfalls mittels Drehrad (rechts unten)

Die technische Qualität der Aufnahmen kann auch heute noch voll überzeugen. Einschränkungen waren und sind jedoch die vorgegebene feste Brennweite, die Unmöglichkeit Aufnahmen bewegter Objekte zu machen sowie die sehr geringe Anzahl der Aufnahmen pro Film (nur 5). Das Einlegen eines neuen Rollfilms in die Kamera bei Regen und Wind ist sehr schwierig. Ferner sind auch die dafür notwendigen Rollfilme kaum noch zu bekommen. Auch ist ein Verschwinden der ehemals zahlreichen Entwicklungslabore zu beklagen. Das Fotolabor Weckbrodt in Hannover hat für mich im Jahr 2019 noch einige Rollfilme in ausgezeichneter Qualität entwickelt. Nachdem aber der von mir zuletzt favorisierte Rollfilm (ADOX CHS 100 II) seit 2016 nicht mehr lieferbar war, habe ich die analoge Stereophotographie vorerst eingestellt.

Erste Aufnahmen mit Digitalkameras machte ich ab 2003. Eine Aufzählung derselben wäre nicht sinnvoll, da niemand mehr heute damit arbeiten würde, auch waren die Kameras allesamt nach wenigen Jahren technisch veraltet bzw. defekt und eine Reparatur nicht mehr lohnend.

Einige der Kameras mit denen ich die ersten Bilder auf dieser Homepage gemacht habe, besitze ich ebenfalls nicht mehr (auch wenn ich sicher kein „Early Adopter“ bin und meine Werkzeuge nicht wechsele, solange sie ihren Zweck erfüllen).

Die erste wirklich brauchbare Digitalkamera in meinem Besitz war eine Nikon D300 (Kauf 2008), eine DSLR (= Digital Single-Lens Reflex) im APS-Format: Zuverlässig, wetterfest, ergonomisch bis ins kleinste Detail und mit einer für damalige Zeiten hervorragenden Bildqualität. Aus schwäbischer Sparsamkeit habe ich die Kamera seinerzeit nur mit einem einzigen lichtschwachen Allroundzoom (18-200 mm) bestückt und erst 2009 durch ein Vollformatsystem (Nikon D700) mit 2 Zoomobjektiven (Nikkor 28-70 mm und Nikkor 80-400 mm) ergänzt. Die Nikon D700 war eine Kamera mit identischem Bedienkonzept wie die Nikon D300, baugleichen Akkus bzw. Ladegerät (ganz wichtig: alles sollte im Falle eines Defektes im System austauschbar sein) und seinerzeit ebenfalls von hervorragender Bildqualität (12 Megapixel).

Die Ausrüstung wurde 2014 durch ein Nikon Df-Gehäuse ergänzt. Mit dieser Kamera (16 Megapixel) arbeite ich zeitweise noch heute, allerdings ist der Autofokus bei sich schnell bewegenden Objekten nicht zu gebrauchen. Ein Vorteil der Nikon Df ist aber die vergleichsweise (zu den heutigen Pixelboliden) geringe Dateigröße, die hervorragende Bildqualität bei hoher Empfindlichkeit (wenig Rauschen) sowie das relativ niedrige Gewicht (bis dato leichtestes Vollformatgehäuse von Nikon). Die Ergonomie dagegen ist im Vergleich zu einer Nikon D300 bzw. D700 deutlich schlechter (nicht für Finger in Handschuhen bei Kälte und Nässe gebaut). Die Kamera wurde von Nikon noch bis Mitte 2022 angeboten, war aber wohl immer ein Ladenhüter.

Wenige Monate vor unserer Antarktisreise 2019 habe ich mir einen Ruck gegeben und eine Nikon D850 erworben. Diese Kamera ist m.E. die beste DSLR, die je gebaut wurde und erfüllt auch heute noch die allerhöchsten Ansprüche (einzig das Geräusch des Spiegelschlags hört sich irgendwie „nicht gut“ an). Die alte Nikon D700 wurde innerhalb der Familie weitergereicht und leistet weiterhin (über 12 Jahre nach dem Kauf) ihren Dienst (ein bisschen Nachhaltigkeit muss sein!).

Nachdem allerorten nur noch von den angeblichen Vorzügen der spiegellosen Systemkameras (DSLM = digital single-lens mirrorless) zu lesen und zu hören war,  habe auch ich mich darin versucht: zuerst mit einer Panasonic GX8 (bis heute behalten, da immerhin zuverlässig und wetterfest, leider bei montiertem Selbstauslöser für Langzeitaufnahmen auf Stativ kaum noch zu gebrauchen, da sich das Display dann nicht mehr kippen lässt; Ausschalter wird beim Drehen am Modus- bzw. Belichtungskorrekturrad ständig versehentlich betätigt), dann 2017 eine Panasonic G9. An der Bildqualität bei guten Lichtverhältnissen gibt es nichts zu kritisieren (obwohl der Sensor nur gut ¼ der Fläche eines Sensors einer sogenannten Vollformatkamera hat). Der Dynamikumfang ist allerdings erkennbar niedriger, das Rauschen bei Empfindlichkeiten über 1600 ISO störend. Der Autofokus war und ist aber eine herbe Enttäuschung (auch nach Firmware-Updates nur marginale Besserung): Es gelang so gut wie nie einen vorbeifliegenden Vogel zum Zeitpunkt der Auslösung scharf zu bekommen. Egal welche Einstellungen der Fokuspunkte auch gewählt wurden, die Bilder waren praktisch nie scharf bzw. die Kamera verweigerte die Auslösung im entscheidenden Moment. Ich habe darauf auch andere Nutzer dieser Kameras befragt, alle hatten die gleichen (schlechten) Erfahrungen. Damit war für mich das Thema „Spiegellose“ für Jahre erst mal durch.

Eine danach erworbene Nikon D500 erwies sich dagegen als echter Burner: die allermeisten Aufnahmen von vorbeifliegenden Vögeln („BIF“ = birds in flight) waren jetzt scharf (mit dem Objektiv Nikkor 500 5.6 PF über 90%). Eine gleichhohe Trefferquote war mit der Nikon D850 nicht erreichbar und dies obwohl dort das gleiche Autofokusmodul verbaut ist (vielleicht weil die relative Fläche der Autofokussensoren im APS-C Format größer ist?).

Aus dem oben Gesagten ergibt sich, dass ich zuletzt hauptsächlich mit Kameras und Objektiven von Nikon photographiert habe und dies auch noch heute tue.

Zu den verwendeten Objektiven: Ein Sigma Sports Zoom 150-600 mm (habe ich nach 4 Jahren Gebrauch selbst ruiniert) bzw. die neuere Version davon (60-600 mm) sollten nicht unerwähnt bleiben, da ich damit bis zum Jahr 2019 die allermeisten Vogelaufnahmen gemacht habe. Die Schärfeleistung – auch an einer Nikon D850 – ist gut bis sehr gut, die Fokussiergeschwindigkeit befriedigend und der Preis in Anbetracht der hohen Fertigungsqualität (sichtbar und gefühlt deutlich besser als z.B. bei dem Nikkor 80-400) unschlagbar günstig. Einzig das hohe Gewicht führte dazu, dass ich zuletzt lieber das kleine und viel leichtere Nikkor 500 mm 5.6 PF montiert habe. Das Nikkor AF-S 2,8 70-200 kann ich ebenfalls uneingeschränkt empfehlen. Die Bildqualität ist deutlich erkennbar besser als bei dem Nikkor 80-400 (welches zudem nicht gegen Staub und Wasser abgedichtet ist).

Zuletzt (2021) ergänzte ein manuelles Carl-Zeiss Distagon 15 mm 2,8 (alte Bauart, gebraucht und äußerlich wie neu, günstig auf ebay erworben) die Nikon-Ausrüstung für die geplanten Landschafts- und auch Nachtaufnahmen (Nordlichter). Grund: Mit Autofokusobjektiven kann nachts nicht (oder nur sehr umständlich) fokussiert werden. Auch der manuelle Modus ist dann nicht zu gebrauchen, da der Anschlag bei Unendlich fehlt (die Objektive sind so konstruiert, dass der Scharfpunkt im Unendlichen weit vor dem eigentlichen mechanischen Anschlag erreicht wird; einziger Ausweg: Markierung des Unendlichpunktes bei Tageslicht). Bei einem alten, rein manuell zu fokussierenden Objektiv, dreht man einfach den Fokusring bis zum Anschlag auf Unendlich: Fertig ist der Lack!

Anmerkungen zur Qualität der Objektive: Bei selbst durchgeführten Tests (einfacher Versuchsaufbau mit Stativ und Testchart, Auslösung jeweils mittels Fernbedienung) musste ich leider feststellen, dass ein äußerlich billig wirkendes (ganz überwiegend aus Kunststoff in China gefertigtes) Standard Nikkor 50 mm 1,8 eine erkennbar bessere Schärfe zeigte als das viel edler imponierende (in Japan von Cosina produziert, Fassungen aus Metall gefräst und wohl ewig haltend) und manuell zu fokussierende Carl-Zeiss Planar 50 mm 1:1,4. Auch das ebenfalls in China gefertigte Nikkor 24-85 fühlt sich irgendwie billig an, ist nicht gegen Feuchtigkeit abgedichtet, bringt aber reproduzierbar ausgezeichnete Ergebnisse (auch und gerade mit der 45 Megapixel auflösenden Nikon D850). Bei Stürzen auf vereisten Wegen habe ich schon 2 Gegenlichtblenden zertrümmert, das Objektiv selbst hat aber nie erkennbaren Schaden genommen. Feuchtigkeit kann ungehindert eindringen, trocknet aber dann auch wieder ab.

Die Einsteigerobjektive von Nikon haben auf der Fassung ein kleines Symbol in weißer Farbe aufgedruckt: Eine eingekreiste 10 (der Kreis wird durch zwei relativ dicke Pfeile gebildet). Offiziell soll dies wohl heißen: „Das Produkt enthält verbotene Schadstoffe, die gefährlich für Leib und Leben sein können, aber diese können erst nach 10 Jahren bestimmungsgemäßer Nutzung austreten“. Anders formuliert: „Recycling nach 10 Jahren angeraten und möglich“ oder: „Ich habe fertig“ (nach 10 Jahren).

Allgemeine Erwägungen bei der Wahl einer Digitalkamera (Ende 2022):

Die weltweiten Marktanteile (2021 lag Canon mit 46% vor Sony mit 27,0%, Nikon mit 11%, Fuji mit 6% und Panasonic mit gut 4%) sprechen zunächst einmal nicht unbedingt für Nikon. Die Marke Canon liegt seit Jahren ganz klar vorne, folglich müssen deren Kameras auch gut sein (mehrere mir persönlich bekannte ausgezeichnete Photographen schwören auf Canon). Ich mochte aber das Design und die gräulich wirkenden Gehäuse nie (sehr subjektiv und daher sicherlich kein eigentliches Kaufkriterium). Sony hat unbestritten die höchste Kompetenz in der Fertigung der Bildsensoren (mir liegen die Dinger aber irgendwie nicht gut in der Hand). Die neuesten Fuji-Kameras gefallen mir sämtlich alleine schon wegen ihres ausgezeichneten klaren Designs (sind aber ebenso wie Sony auch erst in den letzten Jahren so richtig gut geworden). Olympus taucht in der o.a. Statistik gar nicht erst auf, hat aber auch seine treuen Anhänger (ob die Firma wirtschaftlich durchhält, weiß ich nicht).

Im Übrigen benutzt man selbst halt das, was man schon hat. Es gilt der Spruch: „Es is wie es is“. Das neueste Gimmick (von mir immer mit: „Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet“ bezeichnet) führt nicht automatisch zu besseren Fotos. Schließlich hat man sich in Jahren an seine Ausrüstung gewöhnt (die gut 400-seitige Bedienungsanleitung einer Nikon D500 will erst mal gelesen und vor allem verstanden sein). Nikon stand noch vor 2 Jahren wirtschaftlich gar nicht gut da, hat dann aber alles auf die Karte „Spiegellose“ gesetzt und scheint damit großen Erfolg zu haben. Das neue Topmodell Nikon Z9 wird überall hoch gelobt und wohl auch gekauft. Da bei den neuen spiegellosen Systemkameras von Nikon der Bajonettdurchmesser etwas größer und das Auflagemaß (Abstand Objektiv zum Sensor) geringer ist als bei dem alten F-Bajonett-Anschluss, ergibt sich hieraus physikalisch auch eine ca. 20% höhere Auflösung (durch den geänderten Strahlengang). Dies dürfte in der Praxis allerdings in den allermeisten Fällen unbedeutend sein. Die Entwicklung bei den DSLR scheint ausgereizt, die Hersteller sehen hier auch kein Innovationspotential mehr. Neue DSLR-Modelle sind daher nicht mehr zu erwarten.

Habe ich mit meiner ersten Nikon D300 bzw. dem Nikon DSLR-System 2008 aufs falsche Pferd gesetzt?  Ich meine nein, denn die erste spiegellose Nikon (Z6) erschien erst 2018. Mit was hätte ich sonst in den 10 Jahre photographieren sollen? Überhaupt könnte ich die meisten meiner alten Nikon-Objektive an den neuen DSLM-Modellen (wenn ich denn eines hätte) mit einem Adapter benutzen. Wer weiß schon was in der Zukunft abgeht? Vor 20 Jahren habe ich es noch nicht für möglich gehalten, dass die digitalen Kameras die analogen (filmbasierten) verdrängen könnten. Auch ein Brexit bzw. der Wahlsieg von Donald Trump erschien mir seinerzeit völlig ausgeschlossen. Die Elektroautos sind auch nicht wirklich mein Ding. Nur bei einer Sache habe ich aber absolute Gewissheit: Die sogenannte „Gendersprache“ wird wieder verschwinden (über 70% aller Deutschen sind derzeit dagegen), diesen Krampf braucht keiner.

Meine vorsichtige Empfehlung für einen Neukauf (Achtung, ich empfehle Ihnen jetzt etwas, was ich selber nicht habe!):

Es sollte eine Kamera mit DSLM-Technik (Sensorgröße Vollformat oder APS-C) von einem der namhaften großen Hersteller sein. Die Kamera sollte Ihnen gut in der Hand liegen, die Bedienung möglichst intuitiv sein. Vorteilhaft ist m.E. auch eine wetterfeste Versiegelung von Kamera und Objektiven (damit scheiden schon zahlreiche Modelle aus). Nachteile hat dieser Kameratyp aber auch: Die Batterielaufzeit ist deutlich kürzer als bei den DSLR’s und selbst der beste elektronische Sucher schafft nicht die Verbindung zu unserem optischen Sehzentrum wie das native Bild eines Spiegelreflexsuchers. Irgendwie merkt unser Hirn doch, dass ein elektronisches Bild kein „echtes“ Bild ist. Inwieweit die immer komplexeren DSLM-Kameras auch „nachhaltig“ sind, darf zumindest bezweifelt werden (die DSLR’s haben jedenfalls gezeigt, dass sie für eine lange Nutzungsdauer konstruiert wurden). Die neuesten und m.E. ausführlichsten Informationen zu den jeweiligen Modellen bzw. Kameraherstellern finden Sie auf der – allerdings ausschließlich englischsprachigen – Seite:  www.dpreview.com.